Fragen und Antworten

Hier findest du Antworten zu Fragen, die in der Präventionsberatung häufig auftauchen.
Hast du auch eine Frage? Dann stelle sie gerne!

Sind Schutzkonzepte auch für Wirtschaftsunternehmen sinnvoll?

In jedem Wirtschaftsunternehmen oder Handwerksbetrieb gibt es Abhängigkeiten, die ausgenutzt werden können. Oftmals werden Grenzverletzungen hingenommen oder ertragen. Die Sorge um den Verlust des Ausbildungsplatzes, ein schlechtes Zeugniss oder weitere Benachteiligung sind Gründe dafür. Laut Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist jede/r elfte Mitarbeitende, von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. Daher ist es sehr sinnvoll, neben regelmäßigen Schulungen, Präventionsmaßnahmen, Handlungspläne und Nachsorgekonzepte zu implementieren. Zudem verpflichtet das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Arbeitgeber, vor sexueller Belästigung zu schützen. Wenn du sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebst, kannst du dich bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beraten lassen. 

Warum gehört zu einem Präventionskonzept auch ein Sexualpädagogisches Konzept? 

"Nur wer Bescheid weiß, kann Bescheid sagen!"  Sexualpädagogik fördert einen offenen und altersgerechten Umgang mit dem Thema Sexualität. Kinder lernen eigene Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren.

Nur wenn Sexualität nicht tabuisiert, sondern pädagogisch begleitet wird, kann Prävention wirksam sein – gegen sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Unsicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper und dem anderer. 

Gilt das Verbot für Beziehungen zwischen  Betreuer*in und Teilnehmer*in auf Freizeiten auch, wenn es kaum einen Altersunterschied gibt?

Teamer*innen dürfen keine sexuellen Kontakte
mit minderjährigen Freizeitteilnehmer*innen
eingehen, auch dann nicht, wenn diese (fast)
gleichaltrig sind, die Kontakte einvernehmlich
zu sein scheinen oder die Initiative sogar von
den Freizeitteilnehmer*innen ausgeht. Die
Teamer*innen müssen sich bewusst sein, dass
sie für die Teilnehmenden Autoritätspersonen
sind und sexuelle Handlungen mit ihnen darum
gegebenenfalls gemäß § 174 StGB als sexueller
Missbrauch von Schutzbefohlenen strafbar ist. (Quelle: "Die Sexualität fährt mit" Orientierungshilfe der Arbeitsgemeinschaft evangelische Jugend Nordrhein-Westfahlen)

Gibt es für die Entwicklung eines Schutzkonzeptes Fördermittel?

Ich kenne einige Organisationen, die Präventionsmaßnahmen fördern, wenn Kinder und Jugendliche daran beteiligt werden oder die Angebote speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind. Es hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie die Gestaltung Eures Projektes, zu welchen Verband Eure Organisation gehört und ob sie ehrenamtlich geleitet ist. Sprecht mich gerne an, wenn Ihr mehr über Fördermittelakquise wissen möchtet.  

Warum ist es wichtig Kinder- und Jugendliche bei der Potenzial- und Risikoanalyse zu beteiligen?

Wenn wir Schutzkonzepte entwickeln, dann sollten wir das gemeinsam tun mit den Menschen, für die diese Konzepte gelten sollen. Kinder und Jugendliche haben oftmals einen anderen Blick auf Situationen und benennen uns Situationen als unangenehm oder grenzverletzend, die wir gar nicht als solche erkennen würden. Sie können uns helfen, die richtige Balance zwischen Freiraum und Schutzraum zu finden. Ebenfalls können sie uns auf Menschen aufmerksam machen, die sie als grenzverletzend empfinden, die wir gar nicht im Blick haben, da wir vielleicht voreingenommen sind oder sich diese Menschen uns gegenüber anders darstellen. Wenn wir vor institutioneller Gewalt schützen wollen, müssen wir uns deutlich machen, dass alle Menschen, die Haupt- oder Ehrenamtlich in unserer Organisation arbeiten, gegenüber Kindern und Jugendlichen Machtpositionen haben.  Um zu erkennen wo in unserer Organisation Gefahren liegen, sollten wir die Erfahrungen von Menschen erfragen, die keine Machtpositionen innehaben.